Buchrestaurierung

Schädlinge und Gefahren

Gefahren für die Gesundheit

Alle Personen, die sich in Bibliotheken und Archiven aufhalten, kommen verstärkt mit Schimmelpilzsporen in Kontakt. Ob es überhaupt zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommt, hängt von der Art des Pilzes, aber auch von der Anfälligkeit der einzelnen Personen ab.

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Die am häufigsten auftretende Gesundheitsgefährdung für den Menschen ist die Mykoallergose. Die Ursache bzw. der Auslöser der allergischen Reaktion durch Schimmelpilzsporen ist noch nicht definiert. Auf alle Fälle sind diese allergieauslösenden Substanzen bestimmte Eiweißverbindungen, die z.T. auf der Sporenoberfläche anzutreffen sind. Im Vergleich zu den Pollen ist die allergieauslösende Konzentration der Schimmelpilze höher.

Es kann davon ausgegangen werden, dass viele Bestände von Bibliotheken und Archiven irgendwann von Schimmelpilzen befallen wurden und damit an Ihrem jetzigen Lagerort mit einer höheren Sporenkonzentration zu rechnen ist. Eine logische und vorbeugende Maßnahme für die Gesundheit der Mitarbeiter ist demnach eine Verringerung der Sporenkonzentration in der Luft.

Dieses Ziel kann mit folgenden Vorsorgeregeln erreicht werden:

  • Keine Dauerarbeitsplätze im Magazinbereich
  • Kein Verzehr von Lebensmitteln
  • Kein Anfeuchten der Finger beim Umblättern
  • Konsultation des Arztes bei häufigem Niesreiz, Haut- und Augenrötungen
  • Regelmäßige Kontrolle des Materials auf Schimmelpilzbefall
  • Tragen von ausreichender Schutzausrüstung bei sofortiger Separation des kontaminierten Materials
  • Minimierung des vorhandenen Staubes (= Sporenträger) durch Lüftungssysteme und Reinigungsmaßnahmen
  • Regelmäßiger Filterwechsel bei Klimaanlagen


Grundsätzlich kann eine Schimmelpilzgefahr nur minimiert werden. Für Bibliotheken und Archive ist ein vollständiger Ausschluss der Sporen utopisch und auch nicht notwendig. Aus diesem Grund ist die Aufklärung der Mitarbeiter über geeignete Maßnahmen und mögliche Gesundheitsrisiken ein sehr wichtiger und sehr verantwortungsbewusster Schritt.

Der Schimmel und seine Folgen

Den Kulturgütern in Bibliotheken und Archiven droht seit Jahren der nicht aufzuhaltende Zerfall. Schuld daran sind Säurefraß, Oxidation oder Mikroorganismen. Das grundsätzliche Problem liegt darin, dass die Vielfalt der Anpassungsmöglichkeiten z.B. von Mikroorganismen an unterschiedliche Lebensräume und Nährstoffe faszinierend groß ist. Geringste Spuren potentieller Nährstoffe reichen aus, um ein bakterielles Wachstum zu ermöglichen. Der Schimmelpilzbefall ist, ...

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Der Schimmelpilzbefall ist, neben Wasserschäden, die größte Bedrohung für die Bestände der Bibliothek. Um dieser Gefährdung begegnen zu können, müssen konsequent vorbeugende Maßnahmen getroffen werden.

Die vielfältigen Bausteine der Natur geben Anlass zu Annahme und Sorge, dass über 250.000 Arten von Schimmelpilzen wachsen und gedeihen. Selbst Bücher enthalten verschiedene organische Substanzen (Cellulose, Collagen, Stärke), die von Schimmelpilzen als Nährmedium genutzt werden können.

Die sehr widerstandsfähigen Sporen sind so klein und leicht, dass sie sich bei günstigen Wetterbedingungen über hunderte von Kilometern verbreiten. Geschützt durch eine Membran, überstehen sie lange Trockenzeiten, Hitze, Kälte und Giftstoffe.

Die unerwünschten Sporen benötigen zum Keimen bestimmte Bedingungen hinsichtlich der Temperatur (in der Regel 20°-35°C), dem ph-Wert des Substrates (4,5-6,5; allerdings bis max. ph-Wert 8) und der Wasseraktivität des Nährmediums. Dieser letztgenannte Faktor ist allerdings der wichtigste, er beinhaltet nur chemisch nicht festgebundenes Wasser und steht somit im direkten Zusammenhang mit der relativen Luftfeuchte, die für ein Wachstum mindestens 60-70% betragen sollte.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Wachstum und Verbreitung der Schimmelpilze sind daher auf alle Fälle: Sauberkeit, relative Luftfeuchte unter 55% bei 18°-20°C, konstantes Raumklima und Verwenden von Papieren, die über eine alkalische Reserve verfügen. Sorgfältigste Hygienemaßnahmen verhindern natürlich eine übermäßige Kontamination. Das Auskeimen der Sporen und die entsprechende Schädigung können minimiert werden, ein völliger Ausschluss der Schimmelpilzsporen ist jedoch utopisch.

Schimmel ist eine ständige Gefahr für Mensch und Kulturgut. Unsere nächste Ausgabe befasst sich u.a. mit der Gesundheitsgefährdung der Mitarbeiter durch Schimmelpilze.

Kann der Holzwurm besiegt werden?

Der Holzwurm (lat. Annobium punctatum) wird auch als gemeiner Nagekäfer oder Klopfkäfer bezeichnet. Ob es sich um Papp- oder Holzdeckelbände handelt- sehr oft sind alte Bücher von Holzwürmern befallen.

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Nur eine konstante sach- und fachgerechte Lagerung würde larven- oder wurmfreies Material möglich machen. Ein utopischer Gedanke - weiß man doch um Jahrhunderte lange Lagerung von Kulturgütern in feuchten Kellern. Dabei kann die Entwicklung der weißgelben Larven 8 bis 36 Monate dauern, bei ungünstigen Bedingungen sogar bis zu 10 Jahre! Der Schädling bevorzugt Holz in feuchten Räumen. Bereits im Vorfeld kann man Rahmenbedingungen schaffen, die ein Überleben der Larven fast unmöglich machen.

Optimale Lagerungsbedingungen setzten sich aus zwei zu überprüfenden Werten zusammen: Temperatur und relativer Luftfeuchte. Eine Lagerung bei 18-20° C und einer relativen Luftfeuchte von 50-55% im Umgebungsmilieu sorgt für ein sicheres Absterben der Larven. Die permanente Überprüfung von Temperatur und relativer Luftfeuchte ist ein erster Schritt, um eine Beurteilungsgrundlage für diese Problematik zu schaffen. Sollten zu hohe Werte festgestellt werden, so kann akut über Entfeuchter eine Reduzierung der relativen Luftfeuchte erreicht werden. Dies ist aber nur ein indirektes Bekämpfen des Problems, da zu hohe Luftfeuchte oft durch feuchte Bausubstanz entsteht. Luftentfeuchter haben ihren optimalen Wirkungsgrad im Bereich von 18-25 ° C. Mit ihrem Einsatz kann die Raumtemperatur durch Feuchtigkeitsentzug allerdings um wenige Grad ansteigen.

Befallene Bücher können auch mit Ethylenoxid behandelt werden. Dieses Gas desinfiziert und tötet Pilze, Sporen und Larven. Eine andere Methode ist eine Begasung mit CO2 (Kohlendioxid). Seit rund zehn Jahren bekämpft man Schädlinge auch durch eine sauerstoffarme Atmosphäre. Diese Sauerstoffabsorber werden zusammen mit den Büchern in Plastikbeuteln mit geringer Sauerstoffdurchlässigkeit eingeschweißt.

Übrigens muss abstaubendes Holzmehl nicht unbedingt die Folge von noch lebenden Würmern oder Larven sein. Über die Jahre kann sich die einst vom Schädling gelockerte Substanz ablösen, auch wenn dieser schon lange nicht mehr lebt.

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