geschichte
  • A
  • Ä
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • J
  • S
Adhäsion

Adhäsion ist die Kraft, die an den Berührungsflächen zweier Körper deren Zusammenhaften bewirkt. Folgende Kräfte tragen dazu bei: mechanische Adhäsion und chemische Adhäsion. Daraus folgt: Klebkraft eines Klebers ist sinngemäß die chemische Adhäsion; praktische messbar ist allerdings nur die Gesamtkraft und damit ist auch die mechanische und physikalische Adhäsion im Messwert enthalten. Die Messung erfolgt durch die Bestimmung der sog. Schälfestigkeit. Diese wird als Kraft durch Abzug von Klebebandstreifen definierter Breite im 180° Winkel bestimmt und in Newton angegeben.

Album

Buch zum Einkleben von Bildern und Mustern. Im Album müssen wegen des auftragenden Inhalts Ausgleichsfälze eingeheftet werden. Zwischen den einzelnen Seiten wird häufig Pergamynpapier zum Schutz der Fotografien eingebunden. Ein Verkleben der Fotos miteinander wird so verhindert.
Bei Obermeier sind auch die Hochzeitsbücher mit Ausgleich lieferbar. Beim Einkleben von Fotos und dergleichen wird so das zusätzlich eingebrachte Material ausgeglichen.

Aldinen

Drucke des Adus Manutius in Venedig und seiner Nachfolger. Manutius führte im 15.Jh. als erster kleine Buchformate ein, benutzte bereits Papierdeckel für seine Bücher und verwendete zum Satz eine formschöne Kursivschrift. Sein Verlagszeichen war der Anker. Die verwendeten Vergoldestempel mit Arabeskenmotiven waren neben linearen Vollstempeln auch schraffiert; sie fanden in der Renaissance breite Anwendung.

Alterungsbeständigkeit

Fast jedes Material altert, d.h. es verändert seine Eigenschaften in umso stärkerem Maße, je länger es gelagert wird. Diese chemisch-physikalischen Veränderungen müssen die Brauchbarkeit z.B. eines Klebebandes nicht unbedingt mindern, es gibt z.B. Kleber, die erst nach Alterung höhere Kohäsionswerte ausweisen. Allerdings sollten z.B. bei Klebebänder Veränderungen der Eigenschaften innerhalb der ersten 6 Monate nach Fertigung nicht messbar sein. Sind nach 12 Monaten keine negativen Auswirkungen messbar, spricht man von guter Alterungsbeständigkeit. Bei Papier und Karton gibt es Normen zur Alterungsbeständigkeit. Wir empfehlen hier die ISO 9706, die für den Bereich Konservierung in der Regel am besten geeignet ist. Viele unserer Standardmaterialien z.B. der Inhalt unserer Goldenen Bücher und viele Vorsatzarten entsprechen der ISO 9706. So wird sichergestellt, dass z.B. Papier nicht vergilbt, weil nur holzfreie Bestandteile bei der Produktion verwendet werden können.

Aneinanderhängen

oder Zusammenhängen wird das Verbinden einzelner Papierblätter durch überlappendes Verkleben oder das Verbinden zweier Teile durch einen auf beide Teile übergreifenden Streifen genannt. Beim Konfektionieren von Vorsätzen in der Weiterverarbeitung und PUR Klebebindung werden Vorsatz und Nachsatz mit einem Gewebestreifen und dem passenden Rückenabstand aneinandergehängt. Die PUR Klebebindung verbindet so nicht nur die Blätter miteinander, sondern den entstehenden Buchblock zugleich mit Vorsätzen und der Hinterklebung aus Gewebe.

Anfangsklebkraft

Klebkraft, die unmittelbar nach Erstellung einer Verklebung messbar ist. In der Regel erreichen z.B. Acrylate ihre höchste Klebkraft erst nach ca. 24 Stunden. Trotzdem muss die Anfangsklebkraft schon so hoch sein, dass eine gewisse Funktionalität erfüllt werden kann. PUR Klebstoff sonst je nach Klebstoffsorte, Temperatur und relative Luftfeuchte oft erst nach 72 Stunden vollständig ausreagiert.

Anfasern

Methode zur Fehlstellenergänzung in der Papierrestaurierung. Dabei wird mit flüssigem Papierbrei zumeist in einem Anfaserungsgerät eine Fehlstelle im Papier ergänzt und anschließend unter Druck getrocknet. Anfaserung verändert in der Regel die Oberflächenstruktur eines Blattes.

Angießen

Ausbessern beschädigter, wertvoller Papiere durch Papierbrei. Vorgängertechnik zur Anfaserung.

Anlage

wird die Greiferkantenseite eines Druckbogen, aber auch die glatt geschnittene Seite einer Pappe dann genannt, wenn Sie als Anlage für Winkel- oder Folgeschnitte dienen soll; korrekt: Anschlagkante.

Anlegeklötzchen

Pappen- oder Metallklötze, die auf den Tisch einer Prägepresse geklebt werden, um zu prägende Decken usw. anlegen zu können.

Anpappen
Aufkleben der Vorsatzblätter eines Buches auf die inneren Deckelpappen;
 
- geschlossen anpappen: übliche Technik, wobei die Deckel auf das angeschmierte Vorsatz geklappt und danach das Buch eingepresst wird;
- eingelegt anpappen: ist bei dünnen Verlagsbüchern in Handarbeit üblich; die Buchblöcke werden in die Decken mit dem angeschmierten Vorsatz nach unten eingelegt und stapelweise eingepresst. Rückenhülsen fallen dabei weg;
- offen anpappen: wird angewendet wenn ein Einpressen nicht möglich ist; das Vorsatz wird nach dem Anschmieren auf die Deckel herübergezogen und mit der Hand angerieben (Alben, Musterbücher);

Anpappen von Hand kommt fast nur noch in Sortimentsbuchbindereien vor. Verlagsbücher werden maschinell in Decken eingehängt, dabei beide Vorsatzblätter zugleich angeschmiert und in der Einhängemaschine angepresst, Rückenhülsen fallen weg, die endgültige Pressung erfolgt durch eine separate oder nachfolgende Station.
Anreiben

Nach dem Bekleben eines Materialstückes mit der Hand darüber streichen um Luftblasen auszudrücken und eine gute Verklebung zu erreichen; kann auch maschinell erfolgen, auch mit Unterstützung durch eine Anreibepresse bzw. -maschine.

Ansetzen
Handarbeit; die Rückeneinlage wird mit einem breiten Papierstreifen auf die Ansetzfälze eines Buches geklebt und auf diesen die Deckel; das ergibt einen noch nicht überzogenen Rohkörper als Einbanddecke; bis 1914 übliche Deckentechnik bei Sortimentsarbeiten. Jetzt werden Decken und Buchblöcke gesondert gearbeitet und erst danach, in Anlehnung an die Verlagsbindetechnik, vereinigt.

- Tief ansetzen: Ansetzmethode für Franzbände; die Deckel werden scharf gegen die Abpressfälze gestoßen und die Heftbünde über die Deckel geklebt bzw. durch diese gezogen.
- Auf gebrochenem Rücken ansetzen: Die Bezeichnung gebrochener Rücken stammt aus der Zeit der Pappbände um 1800, weil bei diesen Deckel und Rücken aus einem Stück bestanden und die Gelenke in Rückenbreite angebrochen wurden.
- Auf durchgezogene Bünde ansetzen: Französische Ansetztechnik, ursprünglich dann angewendet, wenn Buchblock und Pappendeckel zusammen beschnitten wurden; die durch die Deckel gezogenen Heftbünde mussten dazu seitlich verschiebbar bleiben, um überstehende Ober- und Unterkanten zu bekommen.
- Zwischen Pappe ansetzen: Die Heftbünde sitzen zwischen zwei Deckeln, das Verfahren wird bei Geschäftsbüchern angewandt.
Ansetzfalz

Schmaler, mit dem Vorsatz verbundener, Papierstreifen auf den die Rückeneinlage, bei Handarbeit mit kräftigem Papier, überzogen wird und die Deckel aufgeklebt werden; Arbeitshilfe, die heute meist entfällt, da der Deckenband den Ansetzfalz nicht mehr benötigt.

Antiqua

(lat.) Schriftzeichen nach dem Vorbild der Steinmetzschrift auf der Trajans-Säule in Rom; seit 1460 als Druckschrift bekannt. Die Antiqua hat im Gegensatz zur Grotesk- oder Skelettschrift feine Anschwünge an den Enden der Buchstaben, Serifen, auch Schraffen oder Füßchen genannt.

Appretur

Dieser Begriff bezeichnet das Ausrüsten bzw. Zurichten von textilen Materialien wie Einbandgeweben, aber auch von Papier und Leder. Dabei wird die Oberfläche entsprechend behandelt um Eigenschaften wie eine höhere Belastungsfähigkeit zu erreichen. Ein typisches, häufig im Bereich Notizbuch oder Speisekarten verwendetes und appretiertes Gewebe ist Buckram. Dessen Beschaffenheit wird in der RAL RG 495 und in der DIN 33902 hinsichtlich Eigenschaften wie Abrieb, Reiß- und Zugfestigkeit definiert. Die Appretur trägt maßgeblich zu den Eigenschaften bei.

Auflage

Stückzahl eines aufzubindenden Werkes.

Auftragen

Blattgold wird auf Buchschnitte aufgetragen (Goldschnitt); das Auftragen geschieht bei Handvergoldearbeiten mit einem Tampon.
Die Rückensteigung beim Heften trägt durch die übereinander liegenden Heftfäden auf. Auftragend werden voluminös gearbeitete Papiere genannt.

Ausbessern

Vornehmen von Reparaturarbeiten an Papieren oder Büchern, auch flicken genannt.

Ausgleichen

Antiquaschriften sind in sich nicht ausgeglichen; das gesetzte Schriftbild zeigt Lücken und Verdichtungen; Versalientitel lassen sich durch Einfügen dünner Bleispatien im Schriftbild ausgleichen.

Ausgleichsfälze

Gebrochene, schmale Papierstreifen, die mitgeheftet werden, wenn in das fertige Buch Bilder, Karten, Muster usw. eingeklebt werden sollen; der auftragende Inhalt wird dadurch ausgeglichen.

Auskleben

Einseitig beklebte Pappe neigt zum Krümmen, Werfen nach der beklebten Seite; durch Bekleben der Rückseite, gegenkleben oder gegenkaschieren, lässt sich die Krümmung ausgleichen.

Ausputzen

Beseitigen von Unsauberkeiten bei Press- und Handvergoldungen.

Ätzungen

werden in der Buchbinderei alle Prägeplatten genannt, die nicht graviert sondern mit Säuren tief geätzt sind. Ätzungen sind günstiger als Messinggravuren. Sie besitzen durch das weichere Metall jedoch auch geringere Standzeiten, verformen sich also schneller. Darüber hinaus ist durch deren im Querschnitt flachere Abwinklung bei sehr feinen Konturen eine schlechtere Darstellung zu erwarten.

BDBI

Bund deutscher Buchbinder-Innungen, gegründet 1880 in Dresden, Paul Adam wurde der erste Geschäftsführer, Fischer aus Dresden der erste Bundesvorsitzende.
Umbenannt in Bund Deutscher Buchbinder e.V. mit direkter Mitgliedschaft der Buchbindereien im Verband.
Aktueller Bundesvorsitzender nach der 125-Jahr Tagung in Bregenz/Österreich ist Herr Hartmut Köhler aus Rodgau. Inzwischen umbenannt in Bund Deutscher Buchbinder e.V. -BDBI

Beschläge

Klausuren/Schließenteile, Schließen; Deckelschutz aus Metall, korrekt nur bei Holzdeckeln angewendet. Schließlich sollten die bauschigen Papier- und Pergamentblätter niederhalten.

Beschneidehobel

Hobel zum Beschneiden des Buchblocks, frühere Beschnittmethode, die Rechtwinkligkeit des Beschnitts ist in der Regel trotz der simplen Technik erstaunlich exakt.

Beschneiden

Abschneiden von Papierrändern eines Buches; wurde bis 1770 mit dem franz. Zungenhobel durchgeführt, der das um 1299 erfundene deutsche Scheibenmesser verdrängte. Das zu beschneidende Material wurde zwischen Brettern so eingepresst, dass die Buchblätter einige Millimeter überstanden, um vom Messer erfasst werden zu können. Das Messer war in einem Schlitten aus Holz befestigt, der seinerseits in einer Führung aus Leisten lief. Das B. erfolgte Zug um Zug, "Hobeln" genannt, wobei das Tieferstellen durch Zudrehen der Hobelbalken mit einer Holzspindel erfolgte. Das winkelgerechte Einsetzen erfolgte mit dem Holzsattel und einem Punktiereisen. 1836 kamen eiserne Schneidemaschinen in Deutschland auf, die das Hobelbeschneiden überflüssig machten (Buchschnitt).

Beschnitt

Bei Büchern das Wegschneiden ungleicher Papierränder. Im früheren Mittelalter mit einem Stechbeitel vorgenommen, danach mit dem Schneidhobel. Die Schneidemaschine ersetzte den Hobel. Die beim Beschnitt entstehende Fläche wird Schnitt genannt und kann z.B. durch eine Färbung zum Farbschnitt veredelt werden.

Beschreibbarkeit

Widerstand eines Papiers, der beim Auslaufen und Durchschlagen einer Tinte entgegengesetzt wird. Wird die Tinte zu stark vom Papier aufgesaugt, entsteht eine unleserliche und verschwommene Schrift. Der erforderliche Widerstand wird durch Leimen des Papiers bestimmt.

Bestechen

Ehe das Bücherbeschneiden aufkam, wurden beim Heften an "Kopf und Schwanz" eines Buches, aufgespannte Heftkordeln mit umschlungen; das Bestechen ist eine Vortäuschung dieser alten Technik; Bestechen der Kapitale mit Seidenfäden; Handarbeit nur bei guten Büchern angewendet; maschinell gewebte Kapitalbänder werden angeklebt und sind nur eine Kapitalverzierung.

Beutelbuch

Buch das früher von Mönchen am Gürtel getragen wurde.

Biblioklast

Bücherzerstörer, der um Einzelblätter zu erhalten, Bücher ausschlachtet.

Bibliomane

Büchernarr, Bibliomanie: krankhafte Sammelwut, die zu Bücherdiebstahl führen kann.

Bibliophile

Bücherliebhaber und Sammler.

Bibliophilie

Bücherliebhaberei, die den geistigen inneren und äußeren Wert eines Buches schätzt.

Bibliotheksleinen

spezielles Gewebe für höchste Beanspruchung, z.B. Englisch Arbelave Buckram, Eurobuckram, Durabel oder andere Sorten. In Normen wie der RAL RG 495 und der DIN 33902 wird deren Eigenschaft festgelegt.

Biegeprobe

Methode zur Ermittlung der Laufrichtung von Papier und Karton. Sie wird auch als Streifenprobe bezeichnet. Das Biegen entlang der Laufrichtung erzeugt weniger Widerstand als das Biegen gegen die Laufrichtung.

Biegesteifigkeit

Wichtige Eigenschaft eines Kartons. Es ist der Widerstand, den er dem Biegen entgegensetzt. Er hängt ab vom verwendeten Rohstoff, vom Aufbau der Kartonlagen und außerdem von der Dicke (Volumen des Kartons).

Bienenwachs

Für die Handheftung werden die Heftfäden mit Bienenwachs versehen.

Bilderdruckpapiere

Oberbegriff für eine nicht genau definierte Qualitätskategorie beidseitig gestrichener Papiere. Sie unterscheiden sich sehr stark sowohl hinsichtlich der Stoffzusammensetzung, des Trägerpapiers, als auch des Strichauftrages, der den optisch-ästhetischen Eindruck durch Glanz, Glätte, Weiße und Gleichmäßigkeit vermittelt.

Bindemittel

Wichtiger Rohstoff der Papierindustrie zur Rezeptierung einer Streichfarbe für die Erzeugung von gestrichenen Papieren. Sie haben die Aufgabe, die dispergierten Pigmente miteinander zu verbinden, sie in der Streichmaschine auf die Oberfläche des Trägerpapiers zu transportieren sowie die Pigmentschicht (den Strich) auf der Oberfläche des Papiers (Streichrohpapier) fest zu verankern. In der Druckfarbenindustrie haben die Bindemittel die Aufgabe, die Farbpigmente zu umhüllen, sie vom Farbwerk der Druckmaschine auf die Oberfläche des Bedruckstoffes zu transportieren, sie dort zu verankern und der getrockneten Druckfarbe die notwendige mechanische Festigkeit zu verleihen.

Bindereport

Monatlich erscheinendes Fachmagazin für Buchbinderei und Druckverarbeitung, von 1887-1977 unter dem Titel "Allgemeiner Anzeiger für Buchbindereien" erschienen.

Blatt

Papier und Karton in ungefalztem Zustand, kleiner als Format DIN A3. Für Formate die in ungefalztem Zustand A3 und größer sind, sowie für alle Formate im ungefalzten Zustand wird im Allgemeinen der Begriff Bogen verwendet. Ein Blatt hat zwei Seiten.

Blattgold

Mit Kupfer oder Silber legiertes Gold, das in Zaine gegossen, als Planché gewalzt und als Goldblech in Quartiere, also Vierecke, gerissen wird. Diese werden in Quentchen eingelegt und mit dem Federhammer dünner geschlagen. Nach mehrfachem Vierteln müssen sie zwischen Goldschlägehäutchen, Form genannt, und mit einem 5 Pfund schweren Setzhammer von Hand solange geschlagen werden, bis das Gold soweit verdünnt ist, dass es erneut geviertelt und zwischen den Goldschlägerhäutchen weiter ausgeschlagen wird. Ein stundenlanger Vorgang. Es folgt zum Schluss das Fertigschlagen mit einem 20 Pfund schweren Schlaghammer. Das fertige B. ist dann nur noch 8/1000 bis 11/1000 mm dick. Das auf Format geschnittene B. wird mit Ebenholzstangen in Seidenpapierbüchelchen  zu je 25 Blatt gelegt und ist meist 80 x 80 mm groß. Mit Silber legiertes B. wird Grüngold, mit Kupfer legiertes Orangegold genannt. Es gibt einfaches sog. Pressergold und Doppelgold, das keine Löcher haben darf und für bessere Handvergoldungen oder zum Goldschnittemachen benutzt wird. In der Buchbinderei wird meist 18karätiges B. verwendet. 24karätiges wird Rosennobeldoppelgold genannt. Zwischengold wird mit einem Silber- und einem Goldblatt zusammen ausgeschlagen und zum Üben benutzt. Es oxydiert mit der Zeit. Auch Silber, Platin, Aluminium und Messing lassen sich zu Blättern ausschlagen.

Bleichen

Farbstoffe werden aus dem Papierrohstoff mittels eines chemischen Prozesses entfernt. In der Papierrestaurierung gibt es unterschiedliche Bleichmethoden, die jedoch vor allem in der Grafikrestaurierung Anwendung finden.

Blinddruck

Auf gefeuchtetes Leder drucken ohne Unterlagen von Blattgold oder Farbfolien; für den Blinddruck eignen sich nur lohgare oder anilingefärbte Leder, weil sie wassersaugend sind; der Blinddruck wird mit mäßig erhitzten Stempeln vorgenommen; ein mehrfaches Bedrucken der gleichen Stellen bräunt das Leder. Eine Blindprägung oder ein Blinddruck kann auch bei anderen druckempfindlichen Materialien erfolgen und bezeichnet einen zum Foliendruck identischen Vorgang allerdings ohne zwischen gelegte Prägefolie.

Blindmuster

Blindband, Probeband; mit Auflagenpapier hergestellter Musterband, dessen Decke mit dem Auflagen-Einbandmaterial bezogen ist; das B. wird dem Besteller zur Genehmigung vorgelegt.

Blindprägung

Prägung bedeutet grundsätzlich, dass mit Hilfe eines Metallstempels in das Material vertieft geprägt wird. Wenn dies ohne Prägefolie und damit ohne Farbe erfolgt, nennt man dies Blindprägung. Bei thermisch reagierenden Überzugsmaterialien kann auch mit einer Blindprägung eine sehr feine Darstellung realisiert werden, ob in Verbindung mit einer Farbveränderung im Bereich der Prägung. Bei Notizbüchern ist z.B. Ihr Logo als Blindprägung sehr zurückhaltend darstellbar.

Blockhefter

Blockheftung

Blockheftung

Übliche Bezeichnung für Drahtklammerheftung quer durch den Falz; bei Broschüren angewendet. Je größer der Umfang desto schwerer lassen sich Druckprodukte mit Blockheftung aufschlagen.

Bodoni, Giambattista

(1740-1830). Buchdrucker und Erneuerer der Typographie; schuf eine nach ihm benannte Antiqua-Schrift.

Bodoni-Antiqua

Nach dem italienischen Buchdrucker und Schriftgießer Bodoni im 18.Jh. geschnittene Drucklettern mit starken Grund- und schwachen Querstrichen.

Bogen

Oberbegriff für Planobogen, Rohbogen, Blankobogen und Druckbogen. Definition: Auf Format geschnittenes, dünnes, flexibles Werkstoffmaterial, meist Papier, oft auch als gefalztes Produkt (Falzbogen).

Bogensignatur

Flattermarke. Die Bogensignatur ist eine Kontrollnummer mit Kurztitel, die jeweils unter dem Satzspiegel eines gefalzten Bogens steht. Die Bogennummer wird auf der 3. Seite mit einem Stern wiederholt; Erkennungszeichen, die der Buchbinder zum Kollationieren braucht.

Bogenteile

Viertelbogen sind gefalzte Blätter zu 4 Seiten, Achtelbogen 1 Blatt.

Book on demand

Begriff für die Buchherstellung auf Anfrage. Es wird nicht eine feste Auflage gedruckt, sondern vielmehr einzeln oder entsprechend der eingehenden Bestellungen in kleineren Auflagen.

Breitbahn

Bei Breitbahn läuft die Faser im Papierbogen parallel mit der kürzeren Seite. Gegenteil: Schmalbahn.

Brokatpapier

Papier mit Blattmetall-Goldimitation und versehen mit geprägten, goldenen Ornamenten, die besonders wertvoll und festlich wirken. Das Brokatpapier ging zu Anfang des 18. Jh. aus den Werkstätten der Buntpapierhersteller hervor.

Broschur
In einen Umschlag geklebtes, nur leicht geheftetes Buch. Die Heftung erfolgt mit Faden ohne oder mit Gazerücken, seltener mit Drahtklammern; Verbrauchsbroschuren werden fast immer klebegebunden (Klebebindung) und in Umschläge gehängt.
- Englische Broschur: vor dem Einkleben in den Umschlag beschnitten, hat kleine überstehende Kanten; bei der besseren Broschur bleibt der kräftige Blindumschlag unbedruckt; um ihn wird ein zweiter bedruckter Umschlag gelegt, der einen schützenden Pergamin-Umschlag erhalten kann.
- Französische Broschur mit Faden geheftet, mit Vorsätzen versehen, unbeschnitten, hat einen hohlen, am Rücken nicht angeklebten Blindumschlag, um diesen wird der bedruckte Umschlag gelegt und ein allseitig einschlagender Pergamin-Umschlag. Vorsätze werden nur an den Rändern mit Klebstoff versehen. Die französische Broschur hat überstehende Kanten und ist technisch gesehen ein Interimseinband.
- Die steife Broschur hat schwache Pappdeckel, Vorsätze, Geweberücken und Papierüberzug; sie kann kleine Vorderkanten haben und ist beschnitten.
- Die Schweizer Broschur besteht aus einem gefälzelten Block, dessen Fälzelrückseite in einem Umschlag geklebt wird. Der Umschlag klappt so beim Öffnen komplett auf.
Der Buchbinder bindet Broschuren, der Buchhändler verkauft Broschüren.
Broschüre

Eine nicht periodisch erscheinende Publikation von fünf und nicht mehr als 48 Seiten. Im Gegensatz zum Buch muss eine Broschüre nicht die endgültige Form haben. Sie kann später zu einem Buch umgearbeitet werden, in dem der Block anstelle des Umschlags mit einer Buchdecke versehen wird.

Bruchdehnung

Festigkeitseigenschaft des Papiers bei Zugbeanspruchung. Die Bruchdehnung ist auch ein Maß für die Festigkeit des Papiers bei Zugbeanspruchung. Aus Bruchwiderstand (N), flächenbezogener Masse (g/m²) und Breite der Probe kann die Reißlänge berechnet werden. Die Bestimmung erfolgt nach DIN 53 112.

Bruchwiderstand

Kraft die benötigt wird, um einen 10 cm langen und 15 mm breiten Streifen zu zerreißen; Angabe in N (Newton) pro 15 mm Streifenbreite.

Buch

Die Ägypter hatten als Buch die Papyrusrolle, die auch von den Griechen und Römern übernommen wurde. Die Assyrer und Babylonier bedienten sich der Tontäfelchen. Mit Scharnieren verbundene Wachstäfelchen (Dyptichen) waren die Vorformen des Kodex. Die ersten B. in Europa entstanden zu Anfang des 6.Jh. Sie bestanden überwiegend aus Pergament, später jedoch auch aus Papier. Die ersten geschriebenen und meist kunstvoll ausgemalten Buchtexte entstanden in Klöstern und in ihnen auch die ersten Buchbindereien. Durch die Erfindung des Letterndrucks durch Gutenberg im 15.Jh. wurden Bücher zahlreicher und billiger in der Herstellung. Die vor 1500 gedruckten B. werden Inkunabeln oder Wiegendrucke genannt. Drucke aus der Zeit von 1500-1550 sind Frühdrucke.

Buchbeutel/Beutelbuch

Richtiger Beutelbuch genannt. Der Lederüberzug umhüllte das Buch an 3 Seiten und war am Unterschnitt länger, um ihn mit einem Knopf fassen zu können, mit dem er unter den Gürtel geklemmt wurde.

Buchbinder

Handwerker, der das Büchereinbinden und ähnliche in sein Fach schlagende Arbeiten als Erwerb betreibt. Als erster Buchbinder gilt der Mönch Dagäus aus Irland zu Anfang des 6.Jh. Als erster deutscher B. ist der Mönch Sigibert im 7.Jh. nachweisbar. Die Buchbinder früherer Zeiten hatten viele Techniken zu beherrschen, die mit der Zeit zu Spezialberufen wurden (Portefeuiller, Lackierer, Geschäftsbuchmacher, Buntpapierhersteller, Etuisarbeiter, Kartonager usw.)

Buchbinder, berühmt gewordene

Der Polarforscher Amundsen, der italienische Dichter Aretino, der englische Physiker Faraday, der Gründer des "Institutes für Weltwirtschaft" in Kiel Harm, der Papyruskonservator Ibscher, der Erfinder des Stoffwebstuhles für gemusterte Gewebe Jaquard, der auch eine Netzstrickmaschine konstruierte, der Reeder Laeisz, der Orgelbauer Silbermann, der auch die ersten deutschen Hämmerklaviere baute, der Maler Schirmer, der in Karlsruhe die "Badische Kunstschule" gründete und Sutter, der "König von Kalifornien" Mozarts Ahnen seien erwähnt, sie waren fünf Generationen lang Buchbinder in Augsburg.

Buchbinder-Museum

Nach Vorarbeiten von Heinz Petersen wurde 1962, zugleich mit der Wiedereröffnung des Mainzer Gutenberg-Museums, das Buchbinder-Museum gegründet. Ein Verein Buchbinder-Museum unterstützt das Anschaffen von alten buchbinderischen Kulturgütern.

Buchdecken

fertige Einbände für Bücher bestehend aus Deckelpappen, Rückeneinlage, die mit einem Überzug aus Papier, Leder, Gewebe o.a. verleimt und eingeschlagen sind. In diese Buchdecken werden die Buchblöcke eingehängt.

Buchdruck

Heute kaum noch praktiziertes Hochdruckverfahren. Seine Druckformen bestehen aus erhaben stehenden Druckelementen. Es konnten Hand- und Maschinensatz (Bleisatz), Ätzungen (Klischees), Stereos, Galvanos sein und auch manuell hergestellte Druckplatten wie Holz-, Blei- oder Linolschnitte. Der Buchdruck wurde im 20.Jh. fast vollständig durch das Flachdruckverfahren (Offsetdruck) abgelöst.

Buchecken

Eckenschutz und Verzierung von Büchern, Mappen und Ordnern, aus Metall, in verschiedene Formen.

Bucheinband

Einbände werden mit überzogenen Pappendeckeln gearbeitet; die Einbandart wird nach dem Überzugsmaterial (Bucheinbandstoff) benannt. Die Sortimentsbuchbinderei bindet Einzelbücher von Hand mit Maschinenhilfe, die Industrie- und Großbuchbinderei arbeitet fast ausschließlich mit einer Maschinenfertigung. Die Erfindung der Klebebindung brachte eine Arbeitsvereinfachung mit sich, die in vielen Fällen die Maschinenheftung umgehen lässt.

Bücherwürmer

Meist Käfer, aber auch Staubläuse, Milben, Silberfische, Termiten usw.; sie befallen Bücher und fressen entweder die Klebstoffschichten oder die Zellulose des Papiers; mit Bücherwurm bezeichnet man auch einen Vielleser, eine Leseratte.

Buchmuseum

In Leipzig besteht das "Deutsche Buch- und Schriftmuseum", das aus den Beständen des 1884 gegründeten Buchgewerbemuseums 1917 entstand; es wurde 1949 der Deutschen Bücherei angegliedert. Seit 1900 besteht in Mainz das Gutenberg-Museum der Druckkunst, dem am 09.05.1962 als selbständiger Teil, das Buchbinder-Museum angegliedert wurde. In Offenbach am Main besteht seit 1953 das Klingspor-Museum für moderne Buchkunst nach dem bedeutenden Schriftgießer Klingspor benannt; in Basel sind es die Wiemeier Bücher des Sammlers Doetsch-Benzinger; in Antwerpen wurde auf der Sammlung der Druckerfamilie Muretus-Plantin ein Buchmuseum aufgebaut, das seit 1876 von der Stadt betreut wird. Weitere Büchersammlungen befinden sich in der Nationalbibliothek in Paris, in der Königlichen Bibliothek zu Brüssel und in dem Londoner Prinz-Albert-Museum u.a.

Buchschnitt

Die drei offenen Seiten eines Buchblocks: Kopf-, Vorder- und Unterschnitt. Um 1300 löste der Beschneidehobel das Bestoßen der Schnittseiten mit einem Stechbeitel ab; seit 1854 werden Bücher - mit seltenen Ausnahmen - maschinell beschnitten. Gegen das Vergilben und als Schmuck lassen sich die Schnittkanten mit Farbtröpfchen bespritzen: "Sprengschnitt", mit einer Blattgoldauflage versehen oder marmorähnlich marmorieren (veraltet); die Schnittflächen können mit Achatzähnen geglättet werden; Goldschnitte lassen sich unterfärben, bemalen (Untergoldschnittmalerei), ziselieren und mit einem der Buchrundung angepassten Hohlschnitt versehen; Graphitschnitte werden mit einem Graphitpulver eingerieben und geglättet; mit eingefärbten Gummiwalzen lassen sich z.B. bei Adress- und Telefonbüchern Werbetexte anbringen; Rundumfarbschnitte sind selten geworden, meist werden Bücher der Schönen Literatur nur am Kopf eingefärbt. Im Grunde genommen hat aber das Beschneiden eines Buchblocks nur den Zweck, Falzbrüche abzuschneiden und dadurch die Blätter besser greifbar zu machen. Seit 2012 gibt es auch den digitalen Farbschnitt, der es ermöglicht den Buchschnitt auch mit graphischen Darstellungen zu verzieren.

Buchschrauben

Schrauben mit denen Einzelblätter, die zuvor mit einem Papierbohrer mit Löchern versehen wurden, zu einem Buch gebunden werden können. B. gibt es aus Kunststoff und Metall; bestehen aus Schaft- und Einschraubkopf. B. finden auch bei Speisekarten gerne Verwendung.

Buckram

Steifleinen, zuerst in England hergestelltes schweres, appretiertes Leinengewebe; in Deutschland auch als Bibliotheksgewebe bezeichnet. Sorten sind u.a. Euro-Buckram, Engl. Buckram und ca. weitere drei bis vier Sorten verschiedener Anbieter. Durch die Appretur wird ein hoher Oberflächenschutz erreicht. Dieses Material ist sehr gut für den Bereich Bibliothekseinbände, Speisekarten, Hotelmappen und Notizbücher geeignet.

Bünde

Auf Bünde erfolgt früher fast jede Fadenheftung. Der Bund bildet die Querversteifung der Heftung und zugleich die Verbindung zu den Einbanddeckeln. Bünde oder Heftbünde können aus Pergament- oder Lederriemen, Kordel oder Band bestehen; liegen sie erhaben auf dem Buchblockrücken, werden sie erhabene Bünde oder echte Bünde genannt; eingesägte Bünde werden in die Lagerrücken versenkt; falsche Bünde sind auf die Rückeneinlagen geklebte Leder- oder Pappenstreifen, um echte Bünde vorzutäuschen. Heute erfolgt eine industrielle Fadenheftung durch die ohnehin feste Naht nur noch mit Faden und ohne Bundmaterial, da die Querverbindung zwischen den Lagen durch Heftbereiche geschieht.

Bundsteg

Der freie Raum im Rücken eines gefalzten Druckbogens neben dem Satzspiegel.

Buntpapier

wird jedes Papier genannt, das durch Färben, Streichen oder Dessinieren veredelt wurde; Kleister-, Öl-, Wisch-, Java-, Spritz- und Knitterpapiere, wobei allerdings nur die von einem Schleimgrund abgehobenen Gallemarmorpapiere die echten Buntpapier sind. Im Unterschied zum farbigen Papier, das während des Herstellungsprozesses in der Masse durchgefärbt wird, entsteht Buntpapier erst in einer nachfolgenden Verarbeitung (s.o.). Heute wird der Begriff Buntpapier meist nur noch sehr einseitig für die einfarbig gedruckten Bastel- oder Geschenkpapiere verwendet.

Bütte

Stoffvorratsbehälter für den dünnen, wässrigen Faserbrei, aus dem zur Herstellung handgeschöpfter Papiere mit einem Sieb geschöpft wurde. Die kreisrunde Bütte bestand aus hölzernen Dauben, die von Eisenbändern zusammengehalten wurde. Sie maß oben etwa 160cm, unten etwa 150cm lichte Weite und war 75cm tief.

Büttenkarton

Hochwertiger Karton, früher nur von Hand geschöpft, heute meistens auf einer Rundsiebpapiermaschine hergestellt.

Büttenpapier

Von Hand aus der Bütte geschöpftes Papier bester Qualität (meist 100% Hadern). Mittels eines Drahtsiebs, der Schöpfform, hebt der Meister den Papierbrei aus der Bütte und verleiht ihm durch Schütteln und Rütteln seine Bogenform. Dem Schöpfen folgt das Umstülpen der Siebform auf Filze, das Gautschen heißt. Jeder Papierbogen kam auf einen Filz. Waren 181 Filze belegt, wurde der Pauscht genannte Stapel ausgepresst und die Papierbogen mit 2 Klammern wie Wäsche zum endgültigen Trocknen aufgehängt. Büttenpapier haben fast immer ein echtes Wasserzeichen und einen unregelmäßigen Büttenrand. Auf der Rundsiebpapiermaschine hergestelltes Papier wird fälschlicherweise auch als Büttenpapier bezeichnet. Teilweise wird bei diesem maschinell hergestellten Papier sogar ein Büttenrand künstlich hergestellt, indem es abgespritzt, abgequetscht oder abgestanzt wird.

Büttenrand

Der ungleichmäßig und dünn auslaufende Rand von handgeschöpften Büttenpapieren.

Calciumcarbonat

(Kreide), schwach verfestigtes Sedimentgestein, das zur Gruppe anorganischer Weißpigmente gehört. Es ist allgemein als Kreide bekannt. Für die Papierindustrie ist es neben Kaolin mengenbezogen das wichtigste Weißpigment für Streichfarbe und Füllstoff

 

Cellophanieren

Veredelung einer Papier- oder Kartonoberfläche mit einer sehr dünnen Kunststofffolie. Die Oberfläche des Druckproduktes wird dadurch unempfindlicher gemacht. Es gibt matte und glänzende Folien, sowie Folien mit diversen Oberflächenprägungen. Für die Weiterverarbeitung z.B. eines Notizbuches mit bedrucktem Überzug ist eine Cellophanierung zwingend erforderlich, da es zu einer mechanischen Belastung des bedruckten Papiers bei der Fertigung kommt.

Chlor- und säurefreie Papiere

Papiere ohne metallschädliche Bestandteile zum Verpacken von empfindlichen Gegenständen aus Metall. Sie sind frei von Knoten und Sandkörnern, Chloriden und Sulfaten (Salzen). In praktischen Einwickelversuchen prüft man die Papiere auf ihre Indifferenz mit dem Metall, mit dem sie später in Berührung kommen Säurefreie Papiere und Kartons werden sehr häufig in Museen und Bibliotheken verwendet.

Chlorbleiche

Die Chlorbleiche ist ein Verfahren, um Lignin, das im Zellstoff unter Sauerstoffeinwirkung brüchig wird und zerfällt und daher im Papier unerwünscht ist, von der Zellstoff-Faser zu trennen. Gasförmiges Chlor verändert Lignin bei diesem Verfahren, so dass es mit Natronlauge vollständig aus dem Zellstoff herausgelöst werden kann. Die umweltschädliche Chlorbleiche ist in der Papierindustrie inzwischen durch alternative, umweltverträgliche Verfahren mit Sauerstoff und Wasserstoffperoxid abgelöst worden.

Codex

(lat.) Nach der Pergamentrolle entwickelte Buchform mit Deckel aus Holzbrettern.

Codex argentum

(lat.) Silbernes Buch, Bibel des Bischofs Ulfila aus dem 6. Jh.; auf purpurfarbigem Pergamentblättern mit Silberhandschrift; der Codex argentum wird in der Universitätsbibliothek zu Uppsala aufgewahrt.

Codex aureus

(lat.) Goldenes Buch, Handschrift der Karolingerzeit um 870 für Karl den Kahlen von Luithard und Berengar mit vergoldeter Schrift geschriebenes Evangeliar; prunkvoller Einband mit Goldblech und eingesetzten Edelsteinen; im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek zu München.

Copert

Libri sine asseribus (lat). In Pergamentumschläge geheftete Schriftstücke; die Pergamentrücken wurden gern mit Horn, Leder oder Holz verstärkt; die Heftung ging durch den Pergamentrücken und Umschlang die Verstärkungen der gehefteten Lagen; Vorläufer der Aktenstichheftung, auch Langstichheftung genannt; Coperten hatten keine Deckelversteifungen.

Daumenregister

Griffregister, stufenartig am Vorderschnitt eines Buches ausgeschnittene Stellen, um bestimmte Abteilungen oder Buchstaben eines Werkes rasch auffinden zu können.

Decke

Buchdecke oder Einbanddecke bestehend aus zwei Pappendeckel, der Rückeneinlage und dem Deckenbezug aus Papier, Gewebe, Leder oder Pergament; Angesetzte Decke am Buchblock angearbeitet; Decke handwerklich oder maschinell gesondert gearbeitet, wenn der Buchblock in sie gehängt und die Vorsatzblätter angepappt werden; die vorgearbeitete Decke lässt sich prägen; während Sortimentsbuchbinder früher meist Halbgewebebände anfertigten, arbeitete die Einbandindustrie mit Ganzgewebedecken, weil sie sich schneller herstellen lassen.

Deckeneinband

Buchblock und Einbanddecke werden gesondert gearbeitet und danach durch Einhängen und Anpappen vereinigt; ursprünglich industrielle Bindetechnik, die in verbesserter Bindeweise auch im Handwerk übernommen wurde.

Dehnung

Unter Feuchtigkeitseinfluss z.B. beim Anschmieren, dehnen sich hygroskopische Werkstoffe; die Dehnung erleichtert das Verarbeiten, krümmt aber beim Trockenwerden das beklebte Material nach innen und muss durch Gegenkleben wieder zur Planlage gebracht werden; bei der Verarbeitung von Papier auf Laufrichtung oder Bahnbreite achten.

Dichte

Bei der optischen Dichte handelt es sich um eine Schwärzung (Lichtundurchlässigkeit) einer Kopiervorlage, die messtechnisch mit einem Durchlichtdensiometer ermittelt werden kann. Physikalisch ist die Dichte eine Massenkennzahl.
In der Papierindustrie wird die Dichte oft nur noch für das Raumgewicht benutzt. Es ist das Gewicht, das 1cm³ des Papiererzeugnisses besitzt, ausgedrückt in Gramm.

Digitaldruck

Oberbegriff für eine Reihe von Drucksystemen, bei denen analoge Informationen in Form von Text und Bild in elektrische Impulse umgesetzt und ohne Erstellung einer Druckform direkt mit Hilfe eines digitalen Drucksystems auf die Oberfläche eines Papiers übertragen werden. Dabei wird nicht wie bei den klassischen Druckverfahren mit pastösen Druckfarben gedruckt. Vielmehr ist hauptsächlich zu unterscheiden zwischen digitalen, elektrofotografischen Drucksystemen (Xerografischer Druck), die als färbende Substanz Trockentoner verwenden und solchen mit flüssigen Tinten (Inkjetdruck). Der Digitaldruck, hat den großen Vorteil mit variablen Daten drucken zu können (Printing-on-Demand). Dadurch lassen sich auch kleine Auflagen wirtschaftlich herstellen.

DIN-Formate

Deutsche Industrie-Norm, die vereinheitlichen soll. Es wird von einem Rechteck mit 1m² Flächeninhalt ausgegangen. In der A-Reihe betragen die Seitenlängen des Papierbogens 841 x 1189 mm, beim Format DIN A0. Die weiteren Nummern geben an, wie oft das A0-Format zerschnitten oder gefalzt wurde, z.B. DIN A4 ist 1/16, DIN A3 1/8, DIN A2 1/4 und DIN A1 1/2 eines DIN A0-Bogens. Die B- und die C-Reihe gilt für abhängige Formate wie Briefumschläge, Zeitschriften außerhalb der A-Reihe, Vorsätze, Überzugspapiere usw. Die DIN-Formate wurden von Belgien, Finnland, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Russland, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei und Ungarn übernommen. Das Seitenverhältnis 1:1,4 ist so gewählt, dass jede Teilung die ursprüngliche Maßverhältnisse bestehen lässt.

Dispersionen

Flüssigkeiten oder Gase, in denen feste oder gasförmige Stoffe fein verteilt sind; zu den Dispersionen gehören auch die Emulsionen. Unendliche fein verteilte Phase eines Stoffes in einer zweiten Phase eines anderen Stoffes z.B. Milch. Hier ist die eine Phase das Wasser (im flüssige Aggregatzustand) und die zweite Phase das fein verteilte Fett (im festen Aggregatzustand).

Doppelbogen

Druckbogen, bei denen Vorder- und Rückseite nebeneinander stehend den Bogentext tragen; nach dem Bedrucken auch der Rückseiten, dem Widerdruck, sind immer zwei Druckbogen fertig, die zum Falzen auseinander geschnitten werden müssen.

Doppelfalzungen

Bestimmung des Falzwiderstandes für Papier nach der Methode Schopper oder nach der Prüfvorschrift TAPPI 423 om-84. Dabei zählt die Anzahl der Doppelfalzungen, die ein Probestreifen unter Belastung von 1kg bis zum Bruch aushält. Die Doppelfalzung ist besonders wichtig bei Druckerzeugnissen, die einer besonders hohen Beanspruchung ausgesetzt sind: wie z.B. Landkarten, Banknoten und Bucheinbandmaterialien.

Doppelstrich

Gestrichene Papiere, die neben dem eigentlichen Topstrich zunächst einen dünnen Vorstrich erhalten, um eine noch gleichmäßigere Oberfläche und Geschlossenheit zu bekommen. Diese Streichmethode wird vor allem bei guten gestrichenen Papieren angewendet. Dabei kann die Aufstrichmenge für den Vorstrich 1 bis 15 g/m² und für den Topstrich 10 bis 20 g/m² auf jeder Seite betragen.

Doublieren

Beim Handvergolden versehentlich neben dem ersten Druck mit abweichender Kontur drucken.

Drahtheftung

Maschinelles Heften von Buchblöcken mit Draht; seitlich durch den Falz: Blockheftung; durch den Falzbruch: Rückstichheftung, Buchdrahtheftung: Heftung Bogen auf Bogen mit der Buchdrahtheftmaschine auf Drahtgaze oder Gurte. Erfunden von den Brüdern Hugo und August Brehmer in Leipzig.

Drahtkammbindung

Maschinelle Bindung von Buchblöcken, bei dem Drahtkämme durch vorgestanzte Löcher gesteckt und dann geschlossen werden. Mit Kunststoffkämmen auch als Plastikbindung.

Drahtniederhalter

Gebogener Draht der bei Mechaniken in Ordnern die eingelegten Blätter niederhält.

Dreimessermaschine

Schneidemaschine speziell für das dreiseitige Bücher- und Zeitschriftenbeschneiden gebaut. Auch Fließdreischneider genannt.

Dreischneider

Ein-Messer-Schneidemaschine, speziell Zeitschriften- und Bücherbeschnitt; der Bücherstapel wird auf einem Tisch eingepresst und der Tisch nach jedem Schnitt gedreht.

Druckbogen

Üblicherweise ein 16 Seiten umfassender Oktavbogen, der dreimal gefalzt wird.

Durchausheften

Hefttechnik, bei der in jeder Heftlage der Zwirn durchaus von oben bis unten läuft, im Gegensatz zur Wechselheftung, bei der mit gleicher Fadenlänge zwei Heftlagen geheftet werden.

Durchschießen

Das Zwischenlegen von Papier in frische Drucke, heute durch Bestäuben mit Pulver ersetzt; auch das Einheften von Papierblättern in Bücher, um auf Ihnen Ergänzungen schreiben zu können, wird mit Durchschießen bezeichnet.

Durchschlagen

Klebstoff kann bei porösen Materialien durchschlagen.

Echte Bünde

Heftung auf Hanfschnüre, die erhaben auf dem Buchrücken aufliegen, im Gegensatz zur Heftung auf eingesägte Bünde, bei denen die Heftschnüre in den Buchrücken eingelassen sind. Heftart des Mittelalters. Nebeneinander liegende Doppelbünde wurden bei schweren Folianten angewandt (Heften).

Echtgold

Blattgold für Buchdeckel- und Buchschnittvergoldungen (Blattgold). Heute oft ersetzt durch Metallprägefolien. Obermeier prägt Goldene Bücher mit Ledereinband zumeist mit Echtgoldfolie.

Echtleder

Die Bezeichnung „echtes Leder“ ist in Deutschland geschützt. Wir verwenden teilweise gedecktes, also minimal mit einer Farbschicht belegtes Leder, aber auch nur aninlin gefärbtes Leder. Der Vorteil von gedecktem Leder liegt in der besseren Farbbeständigkeit. Spaltleder besteht aus der der abgespaltenen Unterschicht der Haut, die an der Oberfläche dann noch veredelt wird. Grundsätzlich dürfen Leder mit einer Beschichtung über 0,15mm nicht als echtes Leder bezeichnet werden. Ein Einband aus Leder ist bei uns in vielen attraktiven Farben erhältlich. Dieses attraktive Naturmaterial gibt Ihrem Produkt einen besonders hochwertigen Look. Wir können Ihnen bei allen Hardcovereinbänden verschiedene Lederoberflächen und –sorten anbieten.

Ecke

Den Buchblock überragende Deckelspitze, die durch Überziehen mit Gewebe, Leder oder Pergament gegen das Verstoßen geschützt wird; abgerundete Ecken schützen den Buchblock besser. Beim sogenannten amerikanischen Eck wird der Einschlag zunächst am Eck von Spitz zu Spitz eingeschlagen, dann werden die Einschläge um die Pappe gelegt.

Edelpapierband

Liebhaber-Pappband mit verstärkten Kapitalen und Ecken, meist mit handgefertigtem Buntpapier überzogen.

Einband

Mehr oder weniger steife Schutzhülle um einen Buchblock; bei den meisten Verlegereinbänden werden die Einbandarbeiten von Maschinen erledigt und Buchblock und Decke getrennt voneinander hergestellt; der Einzel- oder Sortimentseinband kann nur stufenweise mit dazwischen geschalteten Trockenzeiten gearbeitet werden, weil dem Buchblock die Einbanddecke nach Maß angepasst werden muss; die ursprüngliche, umständliche handwerkliche Ansetztechnik (gebrochener Rücken) ist vereinfacht worden und besteht ebenfalls in getrennter Buchblock- und Einbandherstellung; lediglich bei besten Büchern werden die Pappendeckel noch an den Buchblock gearbeitet; die Einbandbezeichnungen richten sich nach den verwendeten Überzugsmaterialien wie Papier-, Gewebe-, Pergament-, Leder- und Sprungrückeneinband.

Einband der Zeit

Er darf nicht später als 10 Jahre nach dem Druck hergestellt worden sein; ein Einband im "Stil der Zeit" ist nachträglich mit den Materialien und Techniken der Zeit, in der das Buch erschien, eingebunden worden.

Einbandleder

speziell für hochwertige Buchdecken gegerbte Leder, wie Ziegen-, Schaf-, Rinds- oder Schweinsleder, aus Kostengründen werden auch Kunstleder verarbeitet.

Einbandstoffe

unterscheidet man in offene und geschlossene Einbandstoffe, offene Einbandstoffe sind z.B. Iris, Imperial Feingewebe, Savanna Mattgewebe, Garant-, Hansa-, Matt- und Regentleinen, Rohhalb- und Naturleinen, Moleskin und Lasting, typische geschlossene Einbandstoffe sind Bibliotheksleinen wie Englisch Arbelave Buckram, Buckingham, Chelsea, Büchertuch, Siriskin, Arbetex Kaliko und Kunstleder.

Einbinden

Das Einbinden umfasst die Tätigkeit des Buchbinders vom Schneiden der Druckbogen, dem Falzen, dem Vorrichten (z.B. Tafeln ankleben) bis zum Zusammentragen, Heften, Leimen, Beschneiden, dem Binden und Kontrollieren der fertigen Bücher. In der Sortimentsbuchbinderei sind weitere Arbeitsgänge erforderlich, wie Ausbesserung beschädigter Bogen, Schnittverzierungen etc.

Einbrennen

Falze einbrennen; nur bei Verlagseinbänden angewandt, um die Gelenke der Einbanddecken gelenkiger und ansehnlicher zu machen; das Einbrennen erfolgt in besonderen Maschinen (Falzeinbrennmaschine) mit zwei beheizten Metallschienen oder rotierenden Messingscheiben. Es gibt auch Falzeinbrennmaschinen, die gleichzeitig das fertig eingehängte Buch pressen.

Einhängen

Der mit einer Papierhülse auf dem Rücken versehene Buchblock wird in die gesondert gefertigte Decke geklebt (eingehängt), um den Buchrücken zu verstärken und um das Anpappen von Hand zu erleichtern; maschinell eingehängte Bücher erhalten keine Hülsen, sind aber auf dem Buchblockrücken mit Papier oder Heftgaze beklebt. Das E. kann bei Sortimentseinbänden dann weggelassen werden, werden der Buchrücken bereits mit Papier überklebt wurde (Hinterkleben); Kleinauflagen werden gelegentlich auch ohne Hülsen eingelegt angepappt; Einpressen der meist dünnen Bücher erfolgt dann im Stapel.

Einlaufen

können Schnittfarben, Klebstoffe, Papier und Gewebe bei unachtsamen Arbeiten; Pergament läuft nicht ein, es schrumpft.

Einledern

oder "ins Leder machen" nennt der Buchbinder das Überziehen eines angesetzten Buches mit Leder oder Pergament.

Einlegen

Bei billigen Verlagsarbeiten ist das Eingelegt anpappen ein Einpassen der Buchblöcke in die Einbanddecken; auch das Dazwischenlegen von Beilagen oder Prospekten in Bücher oder Zeitschriften wird mit Einlegen bezeichnet.

Einpressen

erfolgt, um eine schwierige Verklebung zu erzwingen, um Luft aus bearbeitetem Papier zu drücken und um feucht gewordenes Material bis zum Austrocknen zu glätten; das Einpressen geschieht vorwiegend in ortsfesten Stockpressen, wobei die Bücher verschränkt, Rücken an Vorderschnitt, eingepresst werden; ist an eingepressten Büchern zu hantieren, wird die transportable Handpresse benutzt. Empfindliche Materialien leiden beim Einpressen weshalb weiches Papier vorgelegt wird; frische Druckbogen werden gelegentlich in großen hydraulischen Standpressen eingepresst, um die Druckschattierung zu beseitigen.

Emulsionen

Fallen in den weiten kolloid-chemischen Begriff der Dispersionen; Emulsionen sind innige Vermischungen zweier Flüssigkeiten, die normalerweise nicht mischbar sind, wie z.B. Wasser und Öl; Kunstharzklebstoffe sind Emulsionen; sie haben das Bestreben, auseinander zu fallen und müssen deshalb vor dem Gebrauch durch Umrühren gebrauchsfähig gemacht werden.

Englisch Buckram

Bibliotheksgewebe nach RAL RG 495, geschlossener hochwertiger Bucheinbandstoff.

Englische Broschur

Der geheftete Buchblock wird in einem am Rücken gerillten Umschlag geklebt; um diesen kommt ein Kartonumschlag mit überstehenden Kanten; um ihn kann ein bedruckter Papierumschlag gelegt werden (französische Broschur).

 

Eselsohr

Umgeknickte Papierblattecke; ein Querknicker zum Bruch verhindert, dass ein Eselsohr sich wieder umlegt; nie ganz zu beseitigender Schönheitsfehler, der auch durch Feuchten und Bestreichen mit Kleister nur unzureichend verbessert werden kann.

Exlibris

Bucheigentumszeichen aus der handschriftlichen Namenseintragung hervorgegangen; meist künstlerisch ausgeführt und als Etikett auf den Spiegel des Vorderdeckels geklebt; Exlibris sollten besser auf große Blätter gedruckt und dann nur am Falz angeklebt werden, da das laienhafte Einkleben kleiner Exlibris die oft wertvollen Vorsatzspiegel verdirbt. Exlibris auch später Supralibros genannt, sind auf den Außendeckel geprägte Besitzzeichen wie Wappen und Monogramme, seit 1470 bekannt.

Face

Kehlungen, Abschrägungen von Pappenkanten an Einbanddecken.

Fächerklebebindung


Klebebindung bei der der Buchblock zur besseren Beleimung aufgefächert wird und so nicht nur die Papierkante beleimt wird. Früher auch als lumbecken nach Emil Lumbeck genannt.

Faden

Leinenzwirn mit dem Bücher von Hand geheftet werden; bei Maschinenheftung werden Zwirne, auf Kops gewickelt, aus Baumwolle, Zellwolle oder Nylon verwendet. Faden aus Baumwolle (auch aus Gummi) mit Splinten werden zum Binden von Blättern benutzt.

Fadenheftmaschinen

Man unterscheidet a) Buchfadenheftmaschinen und b) Knotenfadenheftmaschinen. Die unter a) angeführten Maschinen heften Lage auf Lage, mit oder ohne Gaze; die ersten Fadenheftmaschinen dieser Art ahmten die Handheftung mit einem durchgehenden Faden nach; die Heftlagen mussten dazu an "Kopf und Schwanz" für den Fadenübergang eingeschlitzt werden und Hakennadeln zogen die Fäden an mehreren Stellen nach innen und verknüpften sie miteinander. Diese Fadenheftmaschinen arbeiten mit einem Schiffchen, wie es die Nähmaschinen tun. Moderne Fadenheftmaschinen haben dagegen für jeden Stich Fadenzuführungen für Einzelheftköpfe. Es gibt Fadenheftmaschinen mit Vorstech-, Näh- und Hakennadeln; amerikanische Modelle arbeiten mit halbkreisförmigen, sichelartigen Nadeln, schweizerische mit Spiralnadeln. Bei den Fadenheftmaschinen mit sichelförmigen Nadeln wurde der eingestochene Faden von einer Nadel erfasst und mit dem anderen verknüpft. Es gibt normale Fadenheftmaschinen bei denen die Heftlagen auf einen schwingenden Sattel aufgelegt werden, halbautomatische, die den Bogen unter die Heftkörper führen und vollautomatische, die auch das Anlegen besorgen. Knotenfadenheftmaschinen wie unter b) angeführt, für Einzellagen wie bei Schreibheften, Prospekten usw. verknüpfen den Heftfaden in jeder Lage; sie werden auch zum Einknüpfen von Kordeln in Gepäckanhänger benutzt, arbeiten aber zu langsam um wirtschaftlich zu sein.

Fadenheftung

Die Fadenheftung oder Fadenbindung gilt als traditionelle, besonders hochwertige Bindeart. Die gefalzten Bögen werden zu einem Buchblock aneinander genäht und dann erst wird der Buchumschlag angebracht. Mit dieser Technik kann auch ein größerer Seitenumfang gebunden werden. Eine Variante ist die offene Fadenheftung, bei der der Buchrücken nicht verklebt wird, die Fadenheftung dadurch sichtbar ist.

Fadensiegeln

Von der Leipziger Buchbindereimaschinenfabrik Gebr. Brehmer um 1965 entwickelte Bogenfalzmaschine, in die Heftköpfe eingebaut sind; vor dem letzten Falzbruch stechen diese je einen thermoplastischen Faden ein, der nach dem Abschneiden in der Art von Drahtklammern umgelegt und auf dem Bogenrücken heiß angesiegelt wird; das Heft mit Fadenheftmaschinen wird dabei umgangen. Die Bücher werden nach dem Lagen zusammentragen auf dem Rücken geleimt und Gaze aufgeklebt.

Faksimile-Drucke

Auch Reprint-Drucke genannt, sind Nachdrucke vergriffener Bücher; die Seiten der Original werden digitalisiert und nachgedruckt.

Falz

Ein beweglicher Bruch im Material. Falzleinen: ein feinfädiges, weißes Gewebe; Falzbatist: ein besonders dünnes, weißes Gewebe, das zum Verstärken von Papierbrüchen benutzt wird und das besser ist als normales Shirting; Kalikofalz: derbes appretiertes, farbiges Gewebe für Gelenke; Ansetzfalz: vor dem Vorsatz befindliche Papierstreifen, auf dem bei Handarbeit die Pappendeckel geklebt werden; aus dem Falz schlagen: Druckbogen zum Handfalzen durch Wegschlagen der Falzbrüche bereitmachen; die früher in Packen zusammen gebrochenen Druckbogen verlangten diese Arbeit.

Falzbein

Arbeitswerkzeug des Buchbinders aus Knochen, das zum Papierfalzen, Anreiben und für Ausformarbeiten benutzt wird. Das Falzbein wurde auch eine Fachzeitschrift für Buchbinderlehrlinge genannt. Falzbeine werden heute auch aus Kunststoff wie z.B. Teflon hergestellt.

Falzeinbrennmaschine

Maschine mit zwei beheizten Stahlbacken, die das Gewebegelenk bei Verlagsbüchern einbügeln, einbrennen um den Falz ansehnlicher zu formen und um das Deckelöffnen zu erleichtern; es gibt auch Falzeinbrennmaschinen mit beheizten, rotierenden Bronzescheiben, die ein fließendes Falzeinbügeln ermöglichen z.B. PräForm von Schmedt.

Falzen

Das Zusammenbrechen von Papierbogen auf kleinere Formate. Ausfalzen: das Verdünnen eines Lederfelles im Ganzen durch Behobeln der Aasseite; nicht mit Lederspalten zu verwechseln.

Falzfestigkeit

Die Anzahl von Doppelfalzungen, die ein Papier aushält, ehe es bricht.

Falzmaschine

Maschine zum Brechen von Papierbogen in die gewünschten Größen. Die erste Falzmaschine baute Black 1851; sie hatte Handanlage nach Markierungen und ein Schwert aus Stahl, das die Falzbogen zwischen zwei rotierende Walzen schlug; dieses System wurde zur halbautomatischen und vollautomatischen Bogenanlage verbessert; dabei wird Luft zwischen den Papierstapel geblasen, Saugstangen heben Bogen um Bogen ab, um sie zwischen die Falzwalzen zu schicken (Schwertfalzmaschinen); bei den Rotary-Anlegern wickeln sich die Bogen um eine dicke Holzwalze, werden dabei zu Treppen vereinzelt und können von Greifern erfasst und den Falzwalzen zugeführt werden; um 1910 kamen in den USA die Stauchfalzmaschinen, bei denen die in die Maschine laufenden Bogen gegen ein Stahllineal prallen und im gleichen Augenblick den dabei entstehenden Wulst zwischen zwei gegenläufige Walzen erfassen und falzen; mit ihnen lassen sich Zickzack-, Leporello-, Wickel- und andere Brüche falzen. Sie sind leistungsfähiger als die genauer arbeitenden Messerfalzmaschinen. Alle Falzmaschinen können mit Perforierrändern, Kreismessern und Drahtklammerapparaten bestückt werden (Fadensiegeln). Heute sind Falzmaschinen digital steuerbar, wenn auch trotzdem die Erfahrung des Falzers ein wichtiger Faktor für das Ergebnis bleibt.

Farbprägung

Bei der Verwendung von Farbfolien wird während der Prägung zwischen Prägegut und Prägestempel eine Folie geführt. Beim Prägevorgang wird durch Temperatur und Druck die Prägefolie aktiviert und gibt eine Farbschicht ab. Bei den Prägefolien unterscheidet man zwischen Metall- und Pigmentfolien. Die Metallfolien erzeugen Prägungen in Gold- oder Silbertönen. Pigmentfolien geben Farben ab. Generell sind mehrfarbige Prägungen möglich. Leider sind die technischen Möglichkeiten begrenzt, so dass manche Prägungen wie z.B. nah aneinander liegende Farbprägungen, nicht immer realisierbar sind. Siehe auch Blindprägung.

Farbschnitte

Einfärben von Buchschnitten mit Körperfarben, vorwiegend auf dem Kopfschnitt, aber auch dreiseitig möglich. Das Ergebnis ist von der Papierbeschaffenheit abhängig. Da Farbschnitte auf den Querschnitt eines Blattes aufgetragen werden, ist das Ergebnis eher matt als glänzend und kommt z.B. dem "uncoated bei Pantone" nahe.

Farbtöne

Prägefolie. Leider ist das Farbspektrum der erhältlichen und für Einbandmaterial geeigneten Prägefolien sehr begrenzt. Eine Farbangabe nach HKS- oder Pantone-Farben kann nur zur Orientierung dienen. Die meisten Farbfolien sind außerdem nur matt lieferbar.

Fester Rücken

Im Gegensatz zum hohl gearbeiteten Deckenrücken, der eine dünne Rückeneinlage aus Karton hat, auf den Buchblock geklebtes Leder; hohle Rücken entstanden um 1800. Der Fester Rücken setzt weniger Papier und breite Bundstege voraus. Haltbare Bindetechnik, die aber das Blätterauflegen beim Lesen erschwert.

Filzseite

Die geschlossene Oberfläche eines Papierbogens; Gegenteil: Siebseite.

Fischleim

Hochwertiger, stark klebender und oft riechender Kaltleim aus Fischabfällen.

Fitzbund

Scheinbund, der durch den Zwirnübergang beim Handheften von einer Lage in die andere durch Umschlingen des voran gegangenen Fadens (verfitzen) gebildet wird; die Bezeichnung Fitzbund als Nebenbund ist irrig.

Flexibler Einband

Unter Verwendung schwacher Kartons biegsam gehaltene Einbanddecke für Ganzeinbände wie Notizbücher, Gesangsbücher u.a.; bei Handarbeit wird das Überzugsmaterial nur an den Fälzen angeklebt, es liegt dann eingeschlagen hohl.

Fliegendes Blatt

Das zwischen Einbanddeckel und Text befindliche Vorsatzblatt. Auf die Deckelinnenseite geklebt heißt es Spiegel.

Folieren

Nummerieren, namentlich von Geschäftsbuchseiten, mit gleichen gegenüberliegenden Seitenzahlen; das Folieren wird mit Handapparaten (Hand-Paginierer), fußbetätigten Nummeriermaschinen und mit in einen Drucksatz eingebauten Nummerierwerkzeugen vorgenommen.

Foliieren

Überziehen und Einschlagen von Büchern und Broschuren mit Klarsichtfolie, um diese vor Gebrauch zu schützen.

Folio

Einmal gefalzter Papierbogen über 35 cm Höhe, abgekürzt Fol. oder 2°.

Formateinteilung
Buchhändler und Bibliothekare verwendeten früher folgende Bezeichnungen:
Buchhöhe bis zu 15,0 cm - Sedezformat 16°
Buchhöhe bis zu 15,5 cm - Kleinoktav
Buchhöhe bis zu 22,5 cm - Oktav 8°
Buchhöhe bis zu 25,o cm - Großoktav
Buchhöhe bis zu 35,o cm - Quart 4°
Buchhöhe bis zu 45,5 cm - Folio 2°
auch folgende Formateinteilung ist anzutreffen:
bis zu 24 cm Buchhöhe 8°
bis zu 35 cm Buchhöhe 4°
bis zu 45 cm Buchhöhe 2° (Papierformate)
Fotokarton

stabiler Karton in verschiedenen Farben z.B. zum Aufziehen von Fotos oder zur Verwendung als Innenblätter eines Fotoalbums.

Fragment

Übrig gebliebener Teil eines Ganzen.

Fraktur

Auch gebrochene Schrift genannt; die Deutsche Schrift bricht die glatten Schriftformen der Antiqua in abgesetzte Einzelformen, verrundet sie bei der Schwabacher und Kanzleischriften des Mittelalters; die Fraktur ist zu Gunsten der leichter lesbaren Antiquaschrift zurück gedrängt worden und wurde von den Schriftkünstlern in vielen Formen variiert.

Franzband

Ledereinband, auf tiefem Falz angesetzt; Halbfranzband, wenn nur der Rücken mit Leder überzogen ist; die Einbandpappen sind direkt an die Anpressfälze geschoben und haben keinen Gelenkspielraum, wie ihn der technische einfachere Lederband hat; die Heftbünde kleben außen auf den Deckeln oder werden nach französischer Manier durch den Deckel gezogen; solideste Einbandtechnik, zeitaufwändig. Der Name Franzband weist auf die aus Frankreich stammende Technik hin; im Französischen wird der Franzband "Reliure prorement dite" genannt.

Französische Broschur

Immer geheftet, mit Vorsatz versehen, meist unbeschnitten, in einen Kartonumschlag gehängt, der ringsum überstehende Kanten hat; um diesen wird der bedruckte Umschlag gelegt und zu dessen Schutz ein Pergaminumschlag.

Frosch

Materialfalte in Brieftaschen u.ä. Froschtasche findet man oft in Notizbüchern als Einlagefach für Zettel etc. Das Gelenk selbst kann dabei aus Gewebe oder Karton bestehen.

Frühdrucke

Drucke, die von 1500-1550 erschienen sind; bis 1500 erschienene Drucke werden Incunabeln oder Wiegendrucke genannt.

Füllstoffe

Erden (Chinaclay, Blancfix, Titandioxyd, Kaolin u.a.) die den Faserstoffen bei der Papiererzeugung zugesetzt werden, um dem Papier Griff, Opazität und eine gewisse Glätte zu geben.

Fußsteg

Mit Blindmaterial freigehaltener Raum am Fuß einer Druckseite.

Ganzband

Einband, dessen Überzug aus einem Stück besteht.

Gautschen

Das Abdrücken eines handgeschöpften Papierbogens vom Schöpfsieb auf eine Filzunterlage; Zusammenführen mehrerer Papierbahnen im Nasszustand, um einen Karton zu erhalten.

Gaze

Aus appretiertem, weitmaschigen Gewebe bestehend, an das die Druckbogen mit der Fadenheftmaschine geheftet werden; für die Drahtheftung bestimmte Gaze wird wegen ihrer stellenweise verdichteten Fadenstellung als Drahtgaze bezeichnet; Gaze wird zur Verstärkung des Buchblockrückens auf diesen aufgeleimt.

Gebrochener Rücken

Deckel und Rücken bestanden ursprünglich aus einer dünnen Pappe, an die die Rückenbreite und die Gelenke angebrochen wurden; daher der Name Pappband; als dickere Pappen benutzt wurden, wurde die Rückeneinlage auf dünnen Karton geklebt, an den Fälzen gebrochen und auf den Buchblock herübergezogen, danach die Deckel aufgesetzt.

Gegautscher Karton

besteht aus mehreren im Nasszustand miteinander verfilzten Papierbahnen.

Gegenkleben

Auch Gegenkaschieren genannt, ist das Bekleben einer Pappenrückseite mit Papier, um den Zug der beklebten Vorderseite aufzufangen, damit diese plan liegen bleibt.

Gelatine

wird als Grundiermittel und als Klebstoff, zum Beispiel bei der Einbanddeckenfertigung verwendet; gebleichter oder ungebleichter Leder- oder Knochenleim. Erhältlich in verschiedensten Reinigungsgraden nach Bloom (Blommwert).

Geleimt

werden Papiere, um sie tintenfest zu machen (Schreibpapier); daneben gibt es aber auch Papiere, die im Hinblick auf ihre spätere Verwendung nur mit 3/4-, 1/2- oder 1/4-Leimung versehen sind; Löschpapier ist ungeleimt.

Japanische Bindung

Diese sehr aufwendige Art des Buchbindens verhindert, das Motive oder Bilder auf die Rückseite durchscheinen. Der Bogen wird nur von einer Seite bedruckt und dann gefalzt. Die Innenseiten bleiben leer und es entstehet ein vorne geschlossene Bögen. Die japanische Bindung zeichnet sich zudem durch eine sichtbare Fadenheftung aus, die durch den Buchblock hindurch genäht wird.

Steifbroschur

Die Broschur war ursprünglich als einfache Übergangslösung für ein gebundenes Buch gedacht, da hier einfach ein Karton direkt auf den Buchblock geklebt wurde. Heute werden Zeitschriften oder lose Blätter gern als Steifbroschur gebunden. Nachdem aus dem Ausgangsmaterial der Buchblock hergestellt wurde, wird dieser durch ein Vor- und Nachsatzpapier mit den Deckelpappen verbunden. Eine günstige und stabile Möglichkeit.

Telefonservice

Sie haben noch Fragen? Wenden Sie sich an unseren Vertrieb.

Kathrin Müller
+49(0) 8781 / 2015 05 - 15

Roman Pilz
+49(0) 8781 / 2015 05 - 16